Bundesliga-Luft für Red-Star-Junioren

In der letzten Sommerferienwoche übernahmen Ausbildner der Fohlenakademie von Borussia Mönchengladbach das Junioren-Trainingscamp des FC Red Star auf der Allmend. Rund 50 Kinder erlebten intensive Trainings, 20 Kilo Gnocchi zum Zmittag und einen prominenten Gast, der spontan für den FCZ einsprang.
«Ich bin begeistert davon, mit welcher Professionalität und Leidenschaft hier gearbeitet wird. Das habe ich in dieser Form selten erlebt», sagt Lisa und kommt ins Schwärmen, wenn sie über die Trainingswoche des FC Red Star spricht. Lisa kennt den Juniorenfussball wie kaum eine andere. Selbst steht sie zwar nur noch selten auf dem Platz. «Das überlasse ich gerne den anderen», sagt sie mit einem Lächeln. Sie übernimmt im Verein lieber Arbeiten hinter den Kulissen.
Grund für ihre Begeisterung ist das diesjährige Sommercamp. Seit mehreren Jahren organisiert der FC Red Star in den Ferien eine Trainingswoche für seine Junioren. Dieses Mal war jedoch einiges anders: Die Ausbildner der Fohlenakademie von Borussia Mönchengladbach übernahmen die Leitung – dieselbe Nachwuchsschmiede, die ihre Camps sonst mit Partnervereinen wie dem FC Thun durchführt. Drei Werkstudenten der Akademie reisten dafür auf die Allmend Brunau, angeführt von Akademieleiter Ralf Inderdohnen, der die erste Wochenhälfte begleitete. Unterstützt wurden sie von Red-Star-Trainer Sascha sowie den Spielern David, Moses, Livio und Denis, die tatkräftig mithalfen.
Verstehen statt nur ausführen
Rund 50 Kinder der Jahrgänge 2011 bis 2016 nahmen teil, aufgeteilt in drei Trainingsgruppen. Was die Gäste aus Deutschland auszeichnet, sei ihre Methodik. «Sie gehen extrem gut auf die Kinder ein», sagt Bruno Gmünder, der gemeinsam mit Andrea Gmünder für die Verpflegung zuständig war. Die Trainer würden nicht nur erklären, sondern sicherstellen, dass die Kinder auch verstünden, warum sie eine Übung machen und was sie ihnen im Spiel bringt. Selbst beim Einlaufen sei ständig ein Ball im Spiel, und monotone Aufwärmphasen würden immer wieder mit Wettbewerben und Challenges aufgelockert. «Da gab es wirklich coole Übungen, bei denen die Jungs sofort gemerkt haben, dass es ihnen etwas bringt», sagt Bruno.
Der FCZ sagt ab, Forte kommt
Ein fester Bestandteil und normalerweise eines der Highlights: Seit Jahren kommt üblicherweise ein junger Profi des FCZ ins Camp, um Einblicke in das Leben eines Nachwuchsspielers zu gewähren und Autogramme zu verteilen. Dieses Mal war es anders. «Sie schicken keine Spieler mehr an Camps, die nicht von ihnen selbst organisiert sind», erklärt Litschi. Dass Red Star ein Partnerverein sei, habe daran nichts geändert – «eigentlich ist das ein bisschen schwach».
Dann aber fügte es sich anders. Eines Morgens joggte Uli Forte vorbei – der langjährige Trainer unter anderem des FCZ, vor allem aber ehemaliger Red-Star-Spieler und -Spielertrainer. Man kennt sich, ein bisschen Schwatz hier und da. Als Forte erfuhr, dass niemand vom FCZ kommen würde, war die Sache für ihn schnell klar: Er kam kurzerhand selbst bei den Kindern vorbei, erzählte aus seinem Fussballerleben, beantwortete Fragen, liess sich für Fotos ablichten und gab Autogramme. So bekamen die Kids trotz Absage doch noch ihren prominenten Gast (grosses Dankeschön, Uli!). «Man kann mit den Fotos alles machen», habe Forte gesagt – man müsse einfach schreiben, dass er für den FCZ eingesprungen sei.
20 Kilo Gnocchi, alles weg
Getragen wurde die Woche auch von der Küche: Andrea und Bruno Gmünder vom Kafi Usglich Gmünder kochten täglich frisch für die hungrige Schar. 12 Kilogramm Pasta mit Tomatensauce – innert Kürze weg. Dazu Pouletgeschnetzeltes mit Reis und 20 Kilogramm Gnocchi, restlos verschlungen. Stets gab es vegetarische und glutenfreie Varianten. «Kochen tun wir draussen», sagt Bruno Gmünder. Am Morgen und am Nachmittag standen zudem Früchte, Rüebli und Gurken bereit. Mittagessen, Znüni und Zvieri waren im Camp inklusive – und als Erinnerung erhielt jedes Kind ein hochwertiges Puma-Trikot-Set.
Für den Verein ist das Camp mehr als nur eine Ferienwoche. «Es ist eine Bereicherung für Red Star», sagt Bruno Gmünder. Neben der Trainingsqualität schätzt er vor allem die Werte, die die deutschen Gäste vermitteln: Zuverlässigkeit, Respekt, ein sorgsamer Umgang mit dem Material. «Man geht nicht allein auf den Platz, sondern miteinander.» Selbst ein gemeinsam geschautes Video über Günter Netzer, Mitbegründer der Akademie, sorgte für andächtige Stille. «Der Junge hat auch gesagt, es sei wie im Kino. Im Kino flüstern wir auch nur noch», erzählt Gmünder.
Dass das Format ankommt, zeigt die Nachfrage: Zuerst intern bei Red Star ausgeschrieben, dann für alle geöffnet, war das Camp rasch ausgebucht. «Viel schneller, als wenn wir es alleine gemacht hätten», sagt Litschi. Der Name Borussia Mönchengladbach habe schon gezogen. Einig sind sich alle, dass man das auch nächstes Jahr wieder machen möchte. Litschi hat dafür schon einen Wunsch: «Unsere eigenen Juniorentrainer sollten sich die Zeit nehmen, auch mal auf dem Platz zu stehen – sie könnten von der Erfahrung profitieren und gleichzeitig neue Impulse für ihre Trainings mitnehmen.» Andrea und Bruno Gmünder machen aber klar, dass noch mehr Kinder für sie schwierig würden: «Wenn sie es verdoppeln würden, könnten wir es nicht mehr stemmen. Mit der aktuellen Anzahl an Kindern machen wir es aber wirklich gerne wieder.»
Impressionen aus der Trainingswoche







