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Auch bei den Ältesten wird noch gegrätscht

Wo andere längst aufgehört haben, spielen sie einfach weiter: Ein Besuch im Training der Senioren 50+, der ältesten Mannschaft von Red Star. Wer ein lockeres Kicken erwartet, täuscht sich.

Text und Bilder: Tobias Stepinski

Bastian Schweinsteiger mit 35, Zinédine Zidane mit 34, Alex Frei mit 33, Eden Hazard gar mit 32: Sie alle haben die Fussballschuhe in ihren Dreissigern an den Nagel gehängt. Auf der Allmend gibt es Spieler, für die das erst die Halbzeit ihrer Karriere war. Gemeint sind die Senioren 50+, die älteste Mannschaft von Red Star. Ans Aufhören denkt hier niemand.

In der Garderobe geht es gemächlich zu. Man zieht sich in Ruhe um, ein Spruch hier, ein Lachen da. Auf die Frage, wer aktuell der Älteste ist, zeigen alle auf Peter Kägi, Jahrgang 1960. Und dieser Jahrgang, verkündet er laut, habe die besten Fussballer aller Zeiten hervorgebracht. Er zählt auf: Diego Armando Maradona, der deutsche Weltmeister Andreas Brehme, der englische Torjäger Gary Lineker… Da ruft einer dazwischen: «Und dich auch, Kägi!» Die Garderobe lacht.

Peter Kägi Peter Kägi, Jahrgang 1960, ist der Älteste im Team.

Ganz spurlos geht das Alter aber an niemandem vorbei. Ein Spiel oder Training spüre man danach schon – nur wie lange, darüber ist man sich uneinig. «Noch mindestens zwei Tage», sagt einer. Ein anderer winkt ab und sagt mit einem Augenzwinkern: «Nein, nein, ich bin immer noch sehr fit und spüre am nächsten Tag kaum etwas.»

Trainer geworden, weil niemand wollte

Wenig später betritt Daniel Cadonau die Garderobe. Er hält die Truppe zusammen und kümmert sich auch ums Organisatorische. Trainer wurde er eher zufällig: «Es fand sich niemand für den Posten, also wurde ich gefragt. Da habe ich einfach gesagt: Ja, ich mache es halt», erzählt er. Im Zürcher Amateurfussball ist Cadonau kein Unbekannter. Bis 20 spielte er beim FCZ, später beim FC Wiedikon, wo er auch seine Trainerlaufbahn startete. Es folgten unter anderem die Blue Stars, der FC Affoltern Zürich und zuletzt der FC Thalwil, zuerst als Assistent der 1. Mannschaft in der 1. Liga, später als Trainer der 2. Mannschaft. Zu Red Star kam er per Zufall durch einen Mitspieler. Zuerst spielte er bei den Senioren 50+ mit, seit rund anderthalb Jahren ist er ihr Trainer.

Trainer Daniel Cadonau Trainer Daniel Cadonau denkt und lenkt – auf und neben dem Platz.

Erst dehnen, dann grätschen

Nun geht es auf den hintersten Platz der Anlage, den R9. Früher hiess er «Wild» und war entsprechend uneben, heute liegt hier ein gepflegter Rasen im Kleinformat mit zwei D-Junioren-Toren. Gross muss er auch nicht sein, gespielt wird 7 gegen 7. Zum Aufwärmen dreht jeder seine Runden, zwei stehen am Zaun und dehnen sich. Genau darauf komme es an, sagt Captain und langjähriger Redstäler Philipp Wettstein: «Das Wichtigste ist mittlerweile, sich gut einzuwärmen und unbedingt gut zu dehnen – die Gelenke frisch machen.»

Dehnen am Zaun Bevor es losgeht, wird am Zaun gedehnt.

Nach dem Aufwärmen ruft Cadonau die Mannschaft zusammen. Im Kreis geht es ums Wochenende, denn da steht das nächste Meisterschaftsspiel an. Nach 5 Spielen liegen die Senioren 50+ mit 3 Siegen und 9 Punkten auf Rang 4 ihrer Gruppe. Doch nicht nur die Punkte zählen. Nach dem Spiel sitzt man oft noch lange zusammen, bei einem Bier und einer Wurst, man kennt sich schliesslich seit Jahren. «Die dritte Halbzeit ist genauso wichtig, wenn nicht wichtiger», sagt einer. Fürs Trainingsspiel bilden alle, die am Wochenende dabei sind, ein Team, der Rest das andere.

Zweikampf im Training Zurückgezogen wird nicht: Zweikampf im Training.

«Chasch d Skischuhe uszieh»

Kaum rollt der Ball, ist klar: Hier wird noch richtig Fussball gespielt. Man geht in die Zweikämpfe und grätscht, wenn es sein muss. Immer wieder ruft einer: «Drabliebe, los jetzt, seckle!» Mittendrin: Cadonau. Seine Erfahrung sieht man sofort. Ein Läufer sei er heute nicht mehr, sagt er. Dafür dirigiert er das Geschehen und verteilt die Bälle, ob kurz, lang oder in die Tiefe. Einmal kommt ein schöner, langer, hoher Pass, doch die Annahme misslingt, und der Ball rollt ins Aus. Ein Mitspieler ruft: «Chasch d Skischuhe uszieh!»

Die Liebe zum Fussball ist hier immer noch spürbar. Doch auch wenn alle am liebsten bis in alle Ewigkeit weiterspielen würden: Irgendwann pfeift auch hier der Schiedsrichter endgültig ab. Deshalb sind die Senioren immer froh um «Nachwuchs».

Eindrücke vom Training der Senioren 50+.